Adler
 
2 - Blackjack in Las Vegas
 

BlackjackJane stammte ursprünglich aus New York. Dort wohnte sie zusammen mit ihren Eltern, bis die Beiden kurz vor Jane’s einundzwanzigstem Geburtstag, bei einem Motorradunfall aus dem Leben gerissen wurden. Die drei Monate bis zu ihrer Volljährigkeit verbrachte die attrktive junge Frau damit, den Haushalt ihrer Eltern aufzulösen, was ihr nicht so schwer fiel, denn die Gegend hatte ihr nie wirklich gefallen.

Im Flugzeug nach Las Vegas lehnte sie sich bequem in den Sitz und konnte kaum die Landung in ihr neues Leben erwarten. Übers Internet hatte sie sich um eine Stelle als Zimmermädchen in einem der vornehmsten Hotels beworben und sofort eine Zusage erhalten. Der Shuttle-Bus brachte sie vom Flughafen in ihr neues Zuhause. Sie traute ihren Augen kaum, als sie den Eiffelturm, Montmartre und weitere Sehenswürdigkeiten an sich vorbei sausen sah.

Jane wusste gar nicht recht wie ihr geschah, da eilte sie schon mit einem Häubchen auf dem Kopf, einen Putzwagen vor sich her schiebend, durch die Gänge des edlen Hotels, um die Zimmer der Gäste in Ordnung zu bringen.

Müde sass sie nach getaner Arbeit in ihrem kleinen Zimmer. Wenn ihr danach war, setzte sie sich lesend auf den Fenstersims und liess dabei die Seele baumeln. Obwohl die Aussicht nicht jedermanns Sache war, denn man sah lediglich die Abfall-Container im Hinterhof, reklamierte Jane niemals, denn sie wusste, etwas Besseres konnte sie sich im Moment nicht leisten.

Eines Nachmittags überkam sie ein unbeschreibliches Verlangen, selber eine Spielhöhle zu besuchen! Kurz darauf hängte sie ihre Uniform fein säuberlich an einen Bügel und zog ihr bestes Kleid an. Ein wenig Rouge belebte ihre blassen Wangen, wie sie erfreut im Spiegel feststellte. Aufgeregt betrat sie eines der vielen Casinos der Wüstenstadt und stellte sich mutig an einen Tisch, an dem Blackjack gespielt wurde. Obwohl sie völlig unerfahren war, was dieses Spiel betraf, gewann sie den ganzen Abend lang, ohne Ausnahme. Ihre Glückssträhne hielt sage und schreibe vier Tage an. Wer weiss, wie lange diese noch angehalten hätte, wären ihr nicht mitten in einem Spiel Zweifel gekommen, weiter auf Teufel komm raus zocken.

Erschrocken über sich selbst raffte sie in Windeseile den Berg Jetons zusammen, den ihr der Croupier währenden den letzten Stunden zugeschoben hatte. Ehrfurchtsvolle Blicke streiften die junge Frau, als ihr der Schnauzbärtige in seinem Glaskabäuschen auch heute Abend wieder einen Check über einen immensen Betrag ausstellte. Bevor sie unauffällig den glamourösen Raum verliess, bedankte die sich mit einem Kopfnicken beim beschäftigen Bankhalter und händigte ihm unter dem Tisch ein gebührendes Trinkgeld aus. Erst in ihrer kleinen Kammer angekommen, liess sie ihren Gefühlen freien Lauf. Sie tanzte und jubelte, während sie die vier Checks wie einen Fächer zusammen hielt und damit in der Luft herumwirbelte.

Während Jane später ihr langes dunkles Haar zu einem dicken Zopf flocht, überkam sie eine unglaubliche Müdigkeit. Dann schlief sie mit dem Gedanken ein, morgen diese Bude für immer zu verlassen! Zwei Tage später trugen zwei Männer in weissen Overalls die gute Jane in einen schweren Bleisarg eingebettet, aus ihrer düsteren Kammer. So hatte sie es sich nicht vorbestellt!

Was war geschehen?

Die Untersuchung des Verbrechens stellte sich als äusserst schwierig heraus! Sie lebte sehr zurückgezogen und hatte weder Familie noch Freunde! Wegen Mangels an Beweisen stellte man den Fall relativ schnell ein.

Ein Jahr später klingelte es an der Türe eines noblen Hauses in der vornehmsten Gegend von Las Vegas. Ein Mann in den besten Jahren öffnete mit freundlicher Miene die schwere Eichentüre. Die zwei uniformierten Polizisten, die ihm freiwillig ihre Ausweise zeigten, baten um Einlass. Widerwillig liess Alec die zwei Männer herein. Beide lehnten dankend den Whisky ab, den er ihnen anbieten wollte, mit der Begründung, sie seien im Dienst. Dann kamen sie sofort zur Sache!

Der Ältere der beiden Ordnungshüter blieb mitten im Wohnzimmer vor einem monströsen Fernseher stehen und wartete geduldig auf den Personalausweis, den ihm der Verdächtigte aushändigen sollte. Dieser kramte verzweifelt in diversen Schubladen herum, bis er ihm endlich seinen vergilbten Pass mit zitternden Fingern überreichte. In der Zwischenzeit sah sich sein Kollege gründlich im Haus um. Ein kaum sichtbares Nicken des Vorgesetzten, veranlasste den jungen Polizisten, seine Handschellen entschlossen um die Handgelenke des Verdächtigten zu legen und ehe der wusste, wie ihm geschah, schnappten die Zwangsmittel mit einem Klick zu!

Gefesselt führten sie den Verdutzten zum Polizeiwagen, denn man beschuldigte ihn des Mordes an einigen Frauen, unter anderem an der jungen Jane.

Die Geschichte war einfach! Der unscheinbare Alec arbeitete einige Jahre als Croupier im grössten und erfolgreichsten Casino von Las Vegas. Sein arbeitsloser Onkel Mitch nahm neidisch wahr, wie es seinem jungen Neffen finanziell immer besser ging. Er fragte sich natürlich, wie sich Alec mit seinem kleinen Einkommen eine solche Prachtvilla leisten konnte! Mitch beruhigte sein Gewissen damit, dass er nichts Unrechtes tat, indem er der Polizei lediglich einen kleinen Hinweis über dessen unerklärlichen Wohlstand gab!

Viel Zeit verging, bis die Polizei sich endlich dieser Sache annahm. Bald stellte sich heraus, dass es sich um den Croupier Alec handelte, der ausser Jane noch zwei weitere Frauen während ihrer Glückssträhne umgarnte. Wie etliche Zeugen bestätigten, beobachteten sie, wie Alec allen Dreien heimlich Zettelchen zuschob. Ein Gast konnte sich sogar erinnern, darauf Zahlen gesehen zu haben; handelte es sich dabei um Telefonnummern?

Die DNA brachte dann den endgültigen Beweis: der Croupier war der Mörder! Bei Jane fand man nämlich Hautpartikel unter den Fingernägeln. Offensichtlich hatte sie sich gegen ihren Mörder gewehrt, um ihr Leben und ihre Checks zu vereidigen!

Leider erfolglos!

Wenigstens war nun ihr Mörder gefasst und musste dafür büssen. Blackjack hatte Jane und auch Alec kein Glück gebracht.