Adler
 
11 - Ein Sonntag wie jeder andere
 

Sonntag im WaldDer Himmel liess der Sonne nur wenige Lücken, um durch seine graue Decke zu scheinen; ein richtiger Tag zum Faulenzen! Paul lag bequem auf dem Sofa und starrte in den Fernseher, zwischendurch fielen ihm die Augen zu, obwohl ihre Kinder Nora und Michael lautstark in ihrem Zimmer nebenan spielten. Melanie sass indessen in der Küche, vor einer grossen Tasse Milchkaffe, während sie interessiert in ihrer Lieblingszeitschrift blätterte.

Ein Titel sprang ihr förmlich in die Augen und veranlasste sie, lautstark durch die ganze Wohnung zu rufen: „Paul, Nora und auch du Michael, kommt lasst uns etwas für unsere Gesundheit tun! Hier steht nämlich fett geschrieben, dass die Krankenkassen bald nicht mehr bezahlen können, wenn es so weiter geht.“

An Ideen fehlte es der kleinen Familie nicht, doch für einen Zoobesuch war es bereits zu spät und der Eintritt in den Zirkus zu teuer! Es wurde heftig diskutiert! Zuletzt blieb nur noch ein sonntäglicher Spaziergang übrig. Bis alle Mäntel und Mützen an die murrenden Familienmitglieder verteilt waren, vergingen nochmals dreissig Minuten. Während die Kinder um das neue Skateboard stritten, steuerten die Vier auf die Strasse zu, die zu dem nahen Wäldchen führte.

Die Eltern sprachen gerade angeregt über die drohende Finanzkrise, als sich zwei junge Raser in ihren teuren Autos ein Rennen lieferten, so dass sie glaubten, in Hockenheim gelandet zu sein! Mit der behandschuhten Hand versuchte die Mutter, die verpestete Luft wenigstens von dem Kleinsten der Familie fernzuhalten! Erst bei der Unterführung weiter vorne konnten sie wieder normal atmen, da heulte schon wieder ein nobles Fahrzeug neben ihnen auf, so dass sie sich erschrocken an die kalte Betonmauer drückten. Der Fahrer, kaum trocken hinter den Ohren, winkte den erschreckten vier Menschen belustigt zu, ist es für ihn doch eine Mordsgaudi, harmlose Spaziergänger so zu erschrecken! „Warum sind wir nicht in den Zirkus gegangen?“ fragte die elfjährige Nora mit trauriger Stimme, währenddessen sich ihr Bruder verängstigt an die Mutter klammerte.

Der Vater stand schützend vor seiner Familie und presste bedrückt hervor: “Da verspricht die ganze Welt ihren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, und dabei kann unsereins nicht einmal mehr ein wenig frische Luft tanken!“ Angespannt setzen sie ihren Spaziergang fort. Der Vater trug nun zur Sicherheit das Skateboard seiner Sprösslinge unter dem Arm.

Allmählich kehrte wieder etwas Ruhe ein und sie verscheuchten ihre negativen Gedanken. Mit grossen Schritten näherten sie sich der freien Natur. Endlich den Rasern entkommen, bogen sie in die prächtige Waldstrasse, mit ihren farbigen Laubbäumen, ein. Mutter atmete die frische Luft gierig ein, sodass ihre Augen glücklich strahlten, die Anderen taten es ihr nach. Wenn sie jedoch dachten, diese Idylle würde anhalten, irrten sie sich gewaltig! Kaum glaubte sich Nora wieder sicher auf dem Skateboard, hörten sie hinter sich erneut einen Motor aufheulen.

Erschrocken flüchtete das Mädchen, gleichzeitig mit ihren Eltern, dem Junior und einer Schar anderer Spaziergänger, in den Strassengraben. Von einigen verirrten Sonnenstrahlen geblendet, starrte Paul, der nunmehr wütende Vater, dem roten Flitzer hinterher. Seine geballte Faust versteckte er in der Manteltasche! Michael begann heftig zu husten! „Wieder diese Allergie!“ entfuhr es der besorgten Mutter. „Erstaunt Dich das? Er hat die giftigen Auspuffgase direkt ins Gesicht bekommen“ schimpfte Paul. „Kommt, lasst uns umkehren!“.

Der Vater konnte seine Enttäuschung nicht verbergen, war es doch seine Idee gewesen, seine Lieben zu einem Spaziergang zu bewegen.